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Sehenswürdigkeiten - OptischeTelegraphenstation [Weiter mit wikipedia]

Quelle: Nieheim.de

Die optische Telegrafenstation Nr. 32 Optische Telegrafie oder „In die Ferne schreiben“ Die Bemühungen den Menschen, Nachrichten über die naturgegebene Rufweite ihrer Stimme hinaus zu übertragen, sind wohl ebenso alt wie die Geschichte der Menschheit überhaupt. So kann man sich mit eigener Phantasie wohl vorstellen, wie in grauer Vorzeit ein Neandertaler seinen benachbarten Höhlenbewohnern durch Rauchzeichen mitteilte, dass ein Mammut in die falle gegangen sei. Das war bereits eine Art von „In die Ferne schreiben“.
Diese Art von Nachrichtenübermittlung wurde im Laufe der Jahrtausende immer weiter entwickelt und erreichte ihren Höhepunkt im römischen Weltreich, als politische und militärische Nachrichten an die äußersten Grenzen des Imperiums verbreitet wurden. Auch den alten Persern und Griechen war das Feuer als Nachrichtenmittler bekannt. Die Römer bauten Telegraflinien, die aus Telegraftürmen ( = Specula) bestanden und deren militärische Besatzung ständig bereitstand, um von der in Sichtweite entfernten Nachbarstation Nachrichten zu empfangen und weiterzugeben.

Mit dem Untergang der großen Römerreiche zerfielen auch die mit solchen Signaleinrichtungen versehenen Türme und Limeskastelle.
Die optische Telegrafie geriet wieder in Vergessenheit. Erst Napoleon schuf mit der optischen Signalmast- Telegrafie zur Verwaltung seines Riesenreiches einen vergleichbar schnellen Nachrichtendienst. Mit dem von Chappe im Jahre 1773 erfundenen Telegrafen konnte man durch entsprechendes Drehen eines langen Balkens und zweier Flügel 92 besonders charakteristische und gut erkennbare Zeichen bilden. Um 1845 gab es in Frankreich 534 Telegrafenstationen, die 29 Städte über eine Gesamtlänge von 4800 km nachrichtentechnisch mit Paris verbanden. Optische Telegrafenlinien waren im vorigen Jahrhundert außerdem noch in England, Norwegen, Dänemark, Schweden, Rußland, Österreich, Spanien, Algerien und Italien in Betrieb. In Deutschland gab es ab 1837 eine privaten Schiffsmeldedienst zwischen Hamburg und Cuxhaven auf der Basis des optischen Telegrafen, ebenso zwischen Bremen und Bremerhaven von 1847-52.

Die Geschichte der Station Nr. 32 Die Station Nummer 32 auf der Finnstätte bei Oeynhausen – heute im Stadtbereich Nieheim – gehörte vor 150 Jahren zur Telegrafenlinie Berlin-Köln-Koblenz, die ausschließlich militärischen und verwaltungstechnischen Zwecken diente. Den Befehl, diese Linie zu bauen, erließ die preußische Regierung, um von Berlin aus eine schnelle Verbindung zu den preußischen Rheinländern zu bekommen. Die etwa 700 Kilometer lange Telegrafenlinie, die 1834 den Betrieb aufnahm, bestand aus 61 Stationen an geographisch besonders günstigen Stellen. Das aufwendige System wies jedoch schwerwiegende Mängel auf: Ein großer Nachteil bestand darin, daß sie im Sommer nur etwa sechs Stunden und im Winter nur drei Stunden arbeiten konnte. Außerdem fiel die Nachrichtenübermittlung bei starkem Regen, Schnee, Hagel und Nebel aus. Als die elektrische Telegrafie erfunden wurde, stellte man im Jahre 1849 nach nur 15 jähriger Tätigkeit den Betrieb der optischen Telegrafenlinie ein.
Die Telegrafenstation Nr.32 in Oeynhausen wurde ebenso wie die anderen Stationen der Region – Köterberg, Vörden und Entrup – abgerissen. Etwa anderthalb Jahrhunderte später, im August 1984 konnte die Telegrafenstation Nummer 32 auf der Finnstätte erneut eingeweiht werden. Nach sechsjähriger Bauzeit war die bisher einzige Station der alten Telegrafenlinie Berlin-Koblenz wiederhergestellt worden. Auf Initiative des örtlichen Heimatvereins wendeten Oeynhauser Bürger mit Engagement und Tatkraft ca. 5000 Arbeitsstunden für den Wiederaufbau der Station auf. Als Zeuge der optischen Telegrafie, einer heutzutage fast vergessenen Nachrichtentechnik, stellt die wiederaufgebaute Station ein einzigartiges Baudenkmal dar. Und so funktionierte die „Optische Telegrafie“ Die Telegrafenstation bestand aus einem Wohnhaus mit einem angebauten Turm. In seinem oberen Stockwerk war das Wachzimmer, in dem sich die Besatzung der Station aufhielt: ein Ober- und ein Untertelegrafist. In diesem Raum befand sich das untere Ende eines Mastes, der durch die Turmdecke hindurchging und noch ca. 6 Meter darüber hinaus ragte.
An ihm waren drei weithin sichtbare, bewegliche Holz- Doppelarme angebracht, ca. 174 cm lang und ca. 33 cm breit. Sie waren gitterartig durchbrochen, damit sie dem Wind möglichst wenig Widerstand boten. Die Arme waren durch ein Seil mit einer Kurbel im Wachzimmer verbunden, von wo aus sie durch Drehungen an der Kurbel in verschiedene Stellungen gebracht werden konnten. Die Arme konnten mit dem Mast Winkel von 45 Grad, 90 Grad und 135 Grad bilden. Die Kurbel rastete dann jeweils ein. Durch unterschiedliche Stellungen der 6 Arme konnten insgesamt 4096 verschiedene Zeichen gebildet werden. Zwar wurden in der damaligen Zeit nur etwa zwei Nachrichten pro Tag übermittelt, die Telegrafisten hatten jedoch genug zu tun. Vier – bis Fünf mal in der Minute mußte der Spähtelegrafist mit einem Fernrohr die Nachbarstationen – von der Station Nr. 32 auf der Finnstätte bei Oeynhausen also entweder Entrup oder Altenbecken – beobachten, damit ihm kein Signal entging. Die Telegrafenstationen lagen je nach Beschaffenheit der Landschaft 6 - 14 km auseinander. Wurde dort ein Signal eingestellt, so gab der Spähtelegrafist diese dem Kurbeltelegrafisten durch ( z.B. A4.3; B5.3; C4.3 bedeutet „ Minister“) der die 6 Arme dementsprechend einstellen mußte. So wurde dieses Zeichen an die nächste Station weitergegeben. Welche Meldungen weitergegeben wurden, das konnte nach geheimen Codebüchern nur auf der Anfangs oder Endstation Berlin-Koblenz und in der Zwischenstation Köln ver– und entschlüsselt werden. Ausgenommen waren die Zeichen, die der Regelung des Betriebsdienstes galten. Bei den Märzunruhen des Jahres 1848 hat der Kölner Oberpräsident erstmalig eine Depesche des optischen Telegrafen der Bevölkerung durch die „Kölnische Zeitung“ bekannt gemacht. Die Meldung ging am 17. März 1848 von Berlin ab. Sie war vom Innenminister ausgegeben worden und traf um 18.30 Uhr beim Kölner Regierungspräsidenten ein: „ An drei Abenden zog der Pöbel in Trupps durch die Straßen. Die Bürgerschaft wirkte beunruhigt. Seit gestern ist jedoch alles wieder ruhig und kein Zeichen der Erneuerung vorhanden.“ Am nächsten Tag brach die Revolution aus.
Der Chronist der „ Kölnische Zeitung“ bemerkte damals dazu: “Man hatte wohl zuweilen den Telegrafen hoch auf dem Turme seine langen Arme ausstrecken sehen, doch war seine Arbeit den Leuten ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. So staunte man, als man das Extrablatt der Kölnischen Zeitung mit jener Depesche in den Händen hielt.“ Geschwindigkeit war schon damals keine Hexerei. Das zeigt der schnell Uhrenvergleich der 62 Stationen. Alle 3 Tage wurde einmal zu einer vollen Stunde ein besonderes leicht zu übermittelndes Zeichen durchgegeben, das man eine Art Zeitzeichen nennen könnte. Es war die Armstellung B4 d.h. nur ein Holzarm war einzustellen. Dieses Zeichen wurde in Berlin gegeben und lief in einer Minute durch bis Koblenz. - Die Berliner Zeit galt als Einheitszeit auf der Telegrafenlinie. Für die Weitergabe eines mittleren Satzes braucht man ungefähr 15 Minuten. Eine Depesche von 30 Worten benötigte für die Durchgabe von Berlin nach Köln anderthalb Stunden. Eine Depesche von Paris nach Berlin war etwa 30 Stunden unterwegs. Sie gelangte über den französischen Telegrafen von Paris bis Metz, von dort mit Eilstfette über Saarbrücken nach Koblenz und von dort per Telegraf weiter nach Berlin.

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